Arbeitsunfähigkeit trotz Arztzeugnis und Überwachung durch Vorgesetzte
Grüezi mitenand. Ich arbeite im Kanton Neuenburg in einem 3-Schicht-Betrieb und hatte kürzlich einen Arbeitsunfall. Mein Arzt hat mich für einen Monat krankgeschrieben. Mein Teamleiter verlangt jedoch, dass ich trotz des ärztlichen Attests zur Arbeit erscheine. Das scheint in unserer Firma System zu haben; viele Kollegen berichten, dass sie selbst bei Krankheit oder gesundheitlichen Problemen antreten müssen.
Manche schlucken Schmerzmittel oder trinken nur Wasser, um durchzuhalten, da der Teamleiter behauptet, es gäbe hier keine Krankheit. Ein weiteres Problem ist, dass 50-60 % der Belegschaft nur wenig Deutsch sprechen und ihre Rechte nicht kennen. Diese Leute werden ebenfalls zur Arbeit genötigt. Besonders bedenklich: Der Teamleiter hat Vertrauensleute, die andere Mitarbeitende ausspionieren und sogar private Details ausserhalb der Arbeitszeit weitergeben.
Darf ein Teamleiter Mitarbeitende trotz Arztzeugnis zur Arbeit zwingen? Und ist die Überwachung durch Kollegen rechtlich überhaupt zulässig?

Kommentare (17)
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Barbara Renate Fuchs
Auf keinen Fall. Wozu gäbe es sonst ärztliche Atteste? Wenn man zu 100 Prozent arbeitsunfähig geschrieben ist, muss man nicht zur Arbeit erscheinen. Zudem ist das versicherungstechnisch äusserst riskant, falls am Arbeitsplatz etwas passieren sollte. Ich würde den Arbeitgeber bei der zuständigen kantonalen Behörde anzeigen.
Beide Fragen sind mit Nein zu beantworten. Melden Sie dieses Verhalten unbedingt der Aufsichtsbehörde und schauen Sie sich nach einer neuen Stelle um.
Nein, das darf er nicht. Sollte der Arbeitgeber jedoch eine leichtere, angepasste Tätigkeit anbieten können, müsste er dies der Versicherung melden. Diese prüft dann in Absprache mit dem Arzt, ob eine solche Arbeit zumutbar ist.
Nein. Suchen Sie sich besser eine andere Stelle. Um was für einen Betrieb handelt es sich denn? Ein privates Unternehmen?
Welche Firma ist das genau?
Es ist ein grosser Betrieb mit diversen Schichtleitern. Die Probleme treten glücklicherweise nur in meiner Schicht auf; in den anderen Bereichen läuft alles korrekt ab.
Wenn der Schichtleiter das ärztliche Zeugnis einfach ignoriert, sollten Sie unbedingt das Gespräch mit der nächsthöheren Führungsebene suchen.
Welche Nationalität hat der Teamleiter?
Er kommt aus Nordmazedonien und die Stellvertretung aus Serbien.
Inwiefern spielt die Nationalität für die rechtliche Einschätzung des Falls eine Rolle?
Selbstverständlich nicht. Sie sollten den Betrieb umgehend beim Arbeitsinspektorat und bei der Versicherung (z. B. Suva) melden. Da die Versicherung Taggelder für Ihre krankheitsbedingte Abwesenheit zahlt, handelt es sich hierbei um Versicherungsbetrug. Informieren Sie zudem die Personalabteilung sowie die Geschäftsleitung über diese Zustände. Damit kommen Sie auch Ihren Pflichten als Arbeitnehmer nach.
Und parallel dazu sollten Sie sich bereits nach einer neuen Arbeitsstelle umsehen.
Wollen Sie ihm etwa raten, trotz Krankschreibung zu arbeiten und damit Versicherungsbetrug zu unterstützen? Wer möchte in so einem Umfeld überhaupt tätig sein?
Auf keinen Fall. Ihre Ratschläge waren absolut korrekt. Da man in einer solchen Firma ohnehin nicht bleiben möchte, ist die Suche nach einer neuen Stelle die logische Konsequenz.
Falls das Problem ausschliesslich bei diesem einen Teamleiter liegt, könnte sich die Situation natürlich auch ändern, wenn dieser plötzlich nicht mehr da ist.
Nein, das ist nicht rechtens. Melden Sie den Betrieb bei den entsprechenden Stellen.